Ghetto, Grösse und andere Gegenargumente
1. „Wir wollen kein Ghetto“ – begriffliche Klarstellung
Der Begriff Ghetto bezeichnet historisch und fachlich:
Zwangsunterbringung
fehlende Rechte
fehlende Exit-Option
Kontrolle ohne Autonomie
Absonderung zum Schutz der Mehrheitsgesellschaft
➡️ Bis auf den letzten Punkt trifft dies auf dieses Projekt nicht zu.
2. Warum es aus Sicht der Bewohner kein Ghetto ist
Aus der Perspektive der Bewohner ist die Anlage:
freiwillig bewohnt
rechtlich abgesichert (Mietvertrag)
jederzeit verlassbar
ein Ort ohne ständige Bewertung, Kontrolle und Sanktion
👉 Sie wird nicht als Ghetto, sondern als Refugium erlebt.
„Ein Ghetto ist ein Ort, an den man muss – ein Refugium ist ein Ort, an den man darf.“
3. Konzentration ist kein Fehler, sondern Funktion
Der Einwand lautet oft:
„Man darf Probleme nicht konzentrieren.“
Die Realität:
Probleme sind bereits konzentriert – nur im öffentlichen Raum
Die Frage ist wo, nicht ob
Dieses Projekt verlagert:
Konsum
Konflikte
Szenenbildung
➡️ weg von Plätzen, Bahnhöfen, Innenstädten
➡️ hin in einen kontrollierbaren, abgegrenzten Raum
Das ist Stadtmanagement, keine Verwahrung.
4. Warum mindestens 40 Plätze notwendig sind
Die Zahl ist nicht willkürlich, sondern funktional:
🔹 Wirtschaftlich
Betrieb, Reinigung, Präsenz lassen sich erst ab ca. 40 Einheiten effizient tragen
Kleinere Projekte sind teurer pro Platz und politisch angreifbarer
🔹 Sozial
Zu kleine Einheiten erzeugen:
soziale Enge
Dominanz einzelner Personen
Eskalationen
Grössere Gruppen:
verdünnen Konflikte
ermöglichen informelle Selbstregulation
schaffen Anonymität (für diese Zielgruppe wichtig)
👉 Paradox, aber belegt:
Kleinststrukturen sind oft konfliktreicher als grössere.
5. „Szenenbildung“ ist kein Gegenargument
Szenen entstehen:
dort, wo Menschen sind
nicht dort, wo Projekte verboten werden
Die Frage lautet:
„Wollen wir Szene ungesteuert oder gerahmt?“
Dieses Projekt bietet:
klare räumliche Grenzen
Hausregeln
Zutrittskontrolle
Entlastung der Umgebung
6. Der Ansatz
„Wir verhindern kein Ghetto, indem wir alles verstreuen –
wir verhindern es, indem wir Rechte, Freiwilligkeit und Rückzug ermöglichen.“
Oder noch klarer:
„Was heute als Ghetto diffamiert wird, ist in Wirklichkeit eine Alternative zur öffentlichen Verwahrlosung.“
7. Verbindung zu Housing First
Im Sinne von Housing First gilt:
Wohnen ohne Vorbedingungen
Schadensminderung statt Moral
Realität anerkennen statt verdrängen
Dieses Projekt ist konsequenter als viele scheinbar „saubere“ Lösungen.
Kommentare
Kommentar veröffentlichen